Wie ist eine IP-Kennzeichnung aufgebaut?
IP steht für Ingress Protection, auf Deutsch Eindringschutz, und ist in der Norm EN 60529 festgelegt. Auf die Buchstaben folgen immer zwei Ziffern. Die erste Ziffer beschreibt den Schutz gegen feste Fremdkörper und Berührung, die zweite Ziffer den Schutz gegen Wasser. Beide Ziffern sind unabhängig voneinander und müssen einzeln gelesen werden – ein hoher Wert bei der einen sagt nichts über die andere aus.
- Erste Ziffer 0 bis 6: von kein Schutz bis vollständig staubdicht
- Zweite Ziffer 0 bis 9: von kein Schutz bis Schutz gegen starkes Strahlwasser und dauerhaftes Untertauchen
- Beide Ziffern zusammen ergeben die Schutzart, zum Beispiel IP65
Welche IP-Klasse passt zu welchem Einsatzort?
Für Leuchtreklame sind in der Praxis fünf Klassen relevant. Die folgende Tabelle zeigt, wofür die Ziffern stehen und wo die Klasse tatsächlich ausreicht.
| Schutzart | 1. Ziffer: Fremdkörper | 2. Ziffer: Wasser | Eignung |
|---|---|---|---|
| IP20 | Schutz gegen Finger und Werkzeuge ab 12,5 mm | kein Schutz gegen Wasser | trockene Innenräume, keine Feuchträume |
| IP44 | Schutz gegen Fremdkörper ab 1 mm | Spritzwasser aus allen Richtungen | Feuchträume innen, z. B. Lager oder Werkstatt – kein Dauerregen |
| IP54 | staubgeschützt, begrenzter Staubeintritt zulässig | Spritzwasser aus allen Richtungen | geschützte Bereiche ohne Schlagregen – für Fassaden trotzdem keine ausreichende Klasse |
| IP65 | staubdicht | Strahlwasser aus jeder Richtung (Düse) | Standard für Außenmontage, Fassaden, freie Bewitterung |
| IP67 | staubdicht | zeitweiliges Untertauchen bis 1 m, 30 Minuten | für Leuchtschilder in der Regel nicht nötig, außer bei Überflutungsrisiko am Boden |
IP54 wird gelegentlich als ausreichend für Außenwerbung verkauft, weil die Ziffern höher wirken als IP44. Für ein freibewittertes Schild ist das trotzdem zu wenig: IP54 schützt gegen Spritzwasser, nicht gegen Strahlwasser und nicht gegen dauerhaften Schlagregen. Wir bauen Außenschilder deshalb grundsätzlich in IP65, nicht darunter.
Warum entscheidet das Netzteil, nicht die Leuchtröhre?
LED-Neonflex selbst ist als extrudiertes Silikonprofil von Haus aus dicht und erreicht IP65 fast immer ohne Zusatzaufwand. Das eigentliche Risiko liegt an zwei anderen Stellen: dem Netzteil und der Kabeldurchführung, an der das Netzkabel in Röhre oder Gehäuse eintritt. Genau dort sparen günstige Anbieter, weil ein IP65-Netzteil und eine vergossene oder mit Kabelverschraubung ausgeführte Durchführung mehr kosten als ein Standardnetzteil aus dem Innenbereich in einem einfachen Kunststoffgehäuse.
Wir verbauen bei Außenschildern Netzteile mit eigener IP65-Kennzeichnung in einem separaten, wetterfesten Gehäuse und führen das Netzkabel über eine Kabelverschraubung mit passender Schutzart ein. Das ist der Grund, warum die Outdoor-Ausführung in der Kalkulation einen eigenen Faktor von 1,35 gegenüber der Innenausführung trägt – nicht wegen der Röhre, sondern wegen dieser zusätzlichen Bauteile und der Verarbeitung.
Was passiert konkret, wenn IP20-Ware nach draußen kommt?
IP20-Ware ist für Innenräume mit stabiler Temperatur und ohne Feuchtigkeit ausgelegt. Im Freien treffen mehrere Belastungen gleichzeitig auf, für die sie nicht gebaut ist.
- Regenwasser dringt am Netzteilgehäuse oder an der Kabeldurchführung ein und verursacht dort einen Kurzschluss
- Kondenswasser bildet sich bei Temperaturwechsel zwischen Tag und Nacht auch ohne Regen im Inneren des Gehäuses
- Feuchtigkeit an den LED-Kontaktstellen führt zu Korrosion und einzelnen dunklen Abschnitten in der Leuchtröhre, bevor das ganze Segment ausfällt
- Die Garantie auf die Technik erlischt bei Einsatz außerhalb der spezifizierten Umgebung
Der Ausfall kommt in aller Regel nicht sofort, sondern nach den ersten länger anhaltenden Regentagen oder nach dem ersten Winter mit Frost-Tau-Wechseln. Das macht das Problem tückisch: Ein IP20-Schild kann wochenlang unauffällig leuchten, bevor Feuchtigkeit die Elektronik erreicht hat.
Braucht ein überdachter Außenbereich wirklich IP65?
Ja. Ein Vordach, ein Arkadengang oder eine Fassadennische schützt gegen senkrechten Regen, nicht gegen die drei Belastungen, die für die Schutzart tatsächlich zählen.
- Schlagregen trifft bei Wind auch schräg auf überdachte Fassadenbereiche, ein Vordach von einem Meter Tiefe hält das bei Sturm nicht ab
- Kondenswasser entsteht durch Luftfeuchtigkeit und Temperaturwechsel unabhängig davon, ob Regen direkt auftrifft
- Temperaturwechsel zwischen Tag und Nacht sowie zwischen den Jahreszeiten wirken überdacht genauso wie frei bewittert
Eine niedrigere Schutzart für überdachte Bereiche zu kalkulieren, spart daher am falschen Ende. Wir setzen für jede Montage außerhalb geschlossener, klimatisierter Räume IP65 an, unabhängig von einer Überdachung.
Weitere Fragen dazu
- Reicht IP44 für einen Schriftzug unter einem durchgehenden Vordach?
- Nein. IP44 schützt gegen Spritzwasser aus allen Richtungen, nicht gegen Schlagregen bei Wind und nicht gegen die Kondensation durch Temperaturwechsel, die auch überdacht auftritt. Für jede Montage außerhalb geschlossener Innenräume setzen wir IP65 an.
- Ist IP67 für ein Leuchtschild sinnvoll?
- In der Regel nicht. IP67 schützt zusätzlich gegen zeitweiliges Untertauchen bis 1 Meter Tiefe für 30 Minuten – das ist für ein an einer Fassade montiertes Schild ohne Überflutungsrisiko keine relevante Anforderung. Unser Programm umfasst zwei Ausführungen: IP20 für innen und IP65 für außen. IP67 fertigen wir nicht; für bodennahe Montage in überflutungsgefährdeten Bereichen ist unsere Außenausführung damit nicht die passende Wahl.
- Fertigen Sie auch Schilder in IP20?
- Ja, für den Innenbereich: Ladenlokale, Showrooms, Empfangsbereiche und Messestände ohne Witterungseinfluss. IP20-Ware ist günstiger, weil Netzteil und Kabeldurchführung ohne Zusatzabdichtung ausgeführt werden – sie darf aber ausschließlich innen montiert werden.
- Woran erkenne ich am fertigen Schild, welche Schutzart verbaut ist?
- Am Schild selbst meist gar nicht – die Schutzart steht auf dem Typenschild des Netzteils, nicht auf der Leuchtröhre. Verlangen Sie vor dem Kauf das Datenblatt des Netzteils oder lassen Sie sich die Schutzart schriftlich im Angebot bestätigen, getrennt für Röhre, Netzteil und Kabeldurchführung.